Gemeinsamer Antrag von SPD und Grünen!
Aus der Offenbach Post vom 03. März 2026
SPD und Grüne stellen Prüfanträge für innovative Energiekonzepte für das Neubaugebiet Zellhausen-Süd. Als Vorbild dient unter anderem ein Pilotprojekt aus Groß-Umstadt.
Zellhausen – Bis im Neubaugebiet „Zellhausen Süd“ die ersten Bagger rollen oder gar erste Dächer gedeckt werden, dauert es noch. Zum zweiten Mal befassen sich die Gemeindevertreter derzeit mit der Aufstellung eines Bebauungsplans (B-Plan) für das Gebiet am Zellhäuser Ortsrand. Nachdem Unklarheiten bei der Wasserversorgung zu langen Verzögerungen geführt hatten, ist der ursprüngliche B-Plan-Entwurf nicht mehr gültig. Während die Gemeindevertreter aktuell in Workshops und Infoveranstaltungen an den Anforderungen für den neuen Plan arbeiten, hat die SPD-Fraktion einen Prüfantrag zur Energieversorgung des Neubaugebiets gestellt, der in der kommenden Versammlung am Dienstag, 10. März, auf der Tagesordnung steht.
Laut Antrag soll zum einen ein bereits 2022 beschlossenes, noch aufzustellendes Energieversorgungskonzept, insbesondere mit Blick auf die Wärmeversorgung, aktualisiert werden. Einstimmig hatten die Gemeindevertreter damals beschlossen, dass der Gemeindevorstand ein Konzept erstellen lässt, das zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie entwickelt werden soll. Das sei auch heute noch das Ziel, sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Marco Schreiner im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Gesamtkonzept sei zudem sinnvoll, „weil wir nicht leichtfertig sagen wollen, dass jeder selbst verantwortlich ist, aber Gas und Öl nicht genutzt werden dürfen“.
Solarsiedlung als Vorbild
Deshalb soll der Gemeindevorstand nun mithilfe externer Experten prüfen, ob eine zentrale Stromspeicherung und Verteilung im Neubaugebiet möglich wäre, die mit überschüssigem Strom aus privaten Photovoltaik-Anlagen der Anwohner gespeist würde. Eine Idee, die laut Schreiner nicht forciert, aber zumindest von Experten als eine Möglichkeit geprüft werden solle.
Vorbild für diese Idee ist laut SPD die Solarsiedlung „Am Umstädter Bruch“ im Groß-Umstädter Stadtteil Richen. Dort hatte die Stadt gemeinsam mit dem Netzbetreiber e-netz Südhessen, Tochterkonzern der Entega, bereits 2016 in einem Pilotprojekt einen zentralen Speicher installiert. Drumherum entstand bis 2019 eine rund 3,5 Hektar große Siedlung aus knapp 85 Wohnhäusern. Vorgabe für die Bauherren: Alle Häuser brauchen eine Solaranlage mit mindestens 5 Kilowattpeak auf dem Dach sowie einen Stromspeicher. Der zentrale Quartiersspeicher speichert überflüssigen Strom aus den Anlagen der Häuser. „Man verbraucht ja besonders im Sommer nicht immer alles, was produziert wird“, erklärt Marco Schreiner. Aus dem zentralen Speicher hat dann jeder Haushalt eine bestimmte Speicherkapazität zur Verfügung.
Im Jahr 2022 erklärte man das Pilotprojekt für erfolgreich abgeschlossen, der zentrale Speicher blieb in der Siedlung. Wie e-netz Südhessen auf Nachfrage mitteilt, ist der Speicher auch weiterhin dort in Betrieb. Heute werde er für die Vermarktung und den Handel am Strommarkt genutzt.
Sand als Energiespeicher?
Mit dem alten Bebauungsplanentwurf für Zellhausen-Süd war man von rund 140 Häusern auf einer Fläche von 8,9 Hektar ausgegangen. Diese Größenordnung dürfte auch für den neuen Plan in etwa so bleiben, meint Marco Schreiner. „In dem Prüfantrag geht es auch darum, zu schauen, wie und gegebenenfalls in welchem Gebiet dieses Konzept in Zellhausen-Süd am meisten Sinn ergeben würde.“ Ziel sei es, so heißt es im Prüfantrag, „Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Bau- und Energiekosten für die neuen Eigentümer reduziert werden können, ohne die Klimaschutzziele der Gemeinde zu vernachlässigen“.
Dafür hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen Ergänzungsantrag eingebracht, der kommende Woche ebenfalls auf der Tagesordnung steht. Grundsätzlich untersützte die Fraktion den Antrag der SPD, sagt Harald Classen (Grüne). „Das ist ja genau unsere Richtung.“ Zusätzlich soll der Gemeindevorstand prüfen lassen, ob eine alternative Speicherform – eine sogenannte Sandbatterie – insbesondere für die Wärmeversorgung des Neubaugebiets geeignet und technisch realisierbar wäre.
In der Sandbatterie könnten große Mengen von Sonnen- oder Windenergie über längere Zeiträume in Sand oder Schotter gespeichert werden, die bei Bedarf in Form von Wärme wieder zurückgegeben würden, erklärt das finnische Unternehmen „Polar Night Energy“, auf das die Grünen als Beispiel verweisen, auf seiner Website. Bereits 2013 hatte das Unternehmen in einer finnischen Stadt einen Sandspeicher gebaut, der die Bevölkerung im Ort mit Wärme versorgen sollte. „Es ist wichtig, dass die Energie aus Photovoltaik gespeichert wird und auch innerhalb des Wohngebietes wieder abgerufen werden kann, wenn man sie braucht“, sagt Classen. Ob und in welcher Größe ein solches Silo mit Sand in Zellhausen möglich wäre, müsse ein Ergebnis der Prüfung sein. LAURA OEHL